Erstellt von Yoda am 16.06.2010 um 22:27 Uhr in der Kategorie Gemeinschaft
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Sehr gerne bewege ich mich in Gemeinschaften, geniesse die Zeit unter Gleichgesinnten und arbeite sehr gerne an gemeinsamen Zielen mit. Befinde ich mich unter Menschen, denen ähnliche oder gleiche Inhalte, Richtungen oder Absichten wichtig sind, fühle ich mich aufgehoben und integriert. In jeder Gemeinschaft tauchen ab und zu Störenfriede, Trolle oder Unbequeme auf. Bisher habe ich die Gemeinschaft zugunsten des vermeintlichen Friedens verlassen oder mich geschickt um die Herausforderung herum manövriert. Verantwortung in einer Gemeinschaft zu übernehmen, bedeutet aber wohl etwas anderes.
Je älter ich werde - ja, ich kann tatsächlich noch älter werden, als ich schon bin - umso eher meine ich, dass ich Fehler nicht nur bei mir selbst finden und beheben sollte, sondern auch unterstützend dort mitwirken müsste, wo andere vielleicht eine etwas andere Haltung oder Gesinnung an den Tag legen sollten. Bisher hielt ich es nicht für angebracht, mich in Gesinnungen anderer Menschen einzumischen. Das wäre deren Bier. Ist das wirklich so? Ich glaube nicht. Besonders dann nicht, wenn es sich bei der Geschichte um eine Gemeinschaft, um eine Community, einen Club oder einen Verein oder einfach um eine löse Bündelung von Menschen handelt.
Mit dem Alter zieht auch die Erfahrung in das Wesen eines Menschen ein und damit hoffentlich auch etwas Menschenkenntnis und das Feingefühl für das Wesentliche in einer Gruppe von Menschen. Das kann in der Familie, im Beruf oder eben in der Freizeit sein. Wir Menschen können unzählige Beispiele aufführen, bei denen sich zu viele als Beobachter positioniert und nicht wirklich eingegriffen haben, wenn etwas in die Schieflage geriet; auf politischer, gesellschaftlicher, kultureller und natürlich auch auf wirtschaftlicher Ebene.
Mit den Lebensjahren bildet sich etwas, das sich anfühlt, als wolle man etwas tun, es dann aber doch nicht umsetzt. Ich sage mir dann, dass mich eine Situation, in der etwas nicht in Ordnung ist, nichts angeht. Es wäre nicht meine Sache und daher dürfe ich mich da nicht einmischen. Doch dann erkenne ich oft, dass ich mittlerweile zu den Ältesten in jener Gemeinschaft gehöre und daher doch in der Verantwortung stünde. Es änderte sich sehr schnell. Lange Zeit gehörte ich immer zu den Jüngsten, habe mir angewöhnt, ruhig zu bleiben. Denn die Andern wären ja älter und wüssten, was richtig wäre. Dann, auf einmal, war das nicht mehr so. Es kommt mir so vor, als wäre es von heute auf morgen geschehen. Ich bin nicht mehr bei den Jüngsten, sondern meist bei den Älteren. Jene, die eben wissen, was richtig ist, die in der Ruhe ihre Weisheit leben lassen. Meine Weisheit ist rasch gegessen. Ich rage nicht an jene heran, zu welchen ich damals aufgeschaut und die ich verehrt habe. Ich gehöre nicht zu den Weisen und Ruhigen. Aber ich besitze etwas Lebenserfahrung und eine eigentümliche Sehnsucht, etwas für den Frieden zu tun. Nicht im grossen Stil, nein, im Kleinen, in der lokalen Umgebung. Dort ist mein Platz.
Es braucht etwas Mut, sich aus der Nische derjenigen zu befreien, die zuschauen und vielleicht beobachten und niemals einschreiten. Ich muss mich überwinden, aufzustehen. Dabei stelle ich eine seichte Furcht fest. Sie fusst vor allem auf der Angst vor der eigenen Kraft. Das ist eigenartig, aber ich kenne diese Bedrängnis. Bisher wich ich ihr oft aus. Jetzt keimt das Bedürfnis, nicht zu einfach dabei zu sein, sondern mitzulenken. All das ist eine wunderschöne Herausforderung eines reifen Mannes. Oder mindestens von einem, der denkt, er wäre es. Dabei lasse ich das Kindliche in mir nicht los; ich brauche es als Quelle der Kraft. Der kleine Lausbub, der freche, kecke und schlagfertige Junge hilft mir, die Lebenskraft an die Oberfläche zu transportieren, um dort mit der notwendigen Ernsthaftigkeit meinen Mann zu stehen. Das klingt eigentümlich, seltsam, vielleicht ungewohnt. Trotzdem ist es wahr.
Zivilcourage ist ein Wort, das ich nicht mag. Es beschreibt den Mut, in angemessener Weise und mit der treffenden Wortwahl das zu nennen, was unbequem zu sagen ist. Das braucht Mut, um die innewohnende Angst vor der eigenen Standhaftigkeit, vor der eigenen Hartnäckigkeit und vor der Fähigkeit, andere überzeugen zu können, zu überwinden. Ich glaube, dass man das üben kann, sich darin schulen und sich verfeinern kann. Während dem alltäglichen Leben, innerhalb der Orte, wo ich zu Hause bin. Dazu gehört auch, den Trollen und Widersachern entschlossen entgegenzuwirken. Zur Mitgliedschaft gehört nicht nur das Dabeisein, sie fordert auch, sich für die Gemeinschaft einzusetzen und internen Streitigkeiten zu begegnen, sie zu schlichten und bei Bedarf den "rechtgesinnten" Teil der Gruppe zu schützen. Davonrennen oder einfach nicht Hinsehen ist eine mögliche Art. Das habe ich lange Zeit gemacht. Ich bin nun langsam aber sicher zu alt dafür. Vielleicht lerne ich, wie ich die Angst vor der eigenen Gesinnung, aber auch die Furcht vor der eigenen Kraft auflösen und etwas mehr Verantwortung tragen kann. Das Leben bleibt spannend.
Schlagworte: Verantwortung • Community • Leben • Tragen • Gesinnung
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Kommentar von Dirk Deimeke vom 17.06.2010 um 07.09.52 Uhr
Sehr schöner und passender Artikel!
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