Erstellt von Yoda am 17.05.2009 um 14:54 Uhr in der Kategorie Innere Welt
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Eigentlich verabscheue ich unsere duale Welt. Sie gaukelt uns Wahrheit vor, die gar keine ist. Stattdessen sehe ich bloss das Abbild einer Wirkung. Kommunikation ist schliesslich auch bloss eine Wirkung, denn sie setzt ein Gegenüber voraus, das ebenfalls bloss wirkt, nicht aber in der Weise wahr ist. Die Wahrheit ist nicht immer das, was wirkt, sondern das, was ist. Um der Ursache einer Wirkung auf den Grund zu kommen, reicht unser Bewusstsein oft nicht aus. Unser Verstand kann nichtduale Systeme nicht verstehen. Wie soll er auch? Er wurde geschaffen, um hier in der Dualität seinen Dienst zu verrichten.

Wie oft verstricke ich mich in Kleinigkeiten, streite und versuche, meine Standpunkt durchzusetzen. Vieles würde ich dafür geben, so dass ich das bekomme, was ich will. Aber weiss ich denn, was ich überhaupt will? Ich glaube nicht. Denn das, was ich meine, zu wollen, basiert auf einer Verkettung von Ursachen und Wirkungen. Da bleibt mir ganz nichts anders übrig, als mich völlig zu verlaufen. Und dabei bestehe ich noch auf meinem Standpunkt, will das beste rausholen, einfach auf Teufel komm raus! Obschon ich nicht weiss, was ich eigentlich will und wohin ich gehen möchte, geschweige denn weiss, wo ich mich befinde.
Zum Glück gibt es Menschen, die mir nahestehen. Dort weiss ich, was ich will: Deren Freundschaft. Und mehr nicht? Nein, das alleine ist schon alles, was ich überhaupt bekommen kann, denn sie ist alles, was wahr ist. Alles, was darüber hinaus geht, wirkt. Im besten Fall umsäumt sie die Wahrheit der Liebe, der Freundschaft und der Gemeinschaft mit Humor, Spass, Ernsthaftigkeit und Freude, vielleicht mit Intimität und Sex. Aber der wahre Kern dahinter ist ganz schlicht und einfach und denoch so schwer zu verstehen: Es ist Liebe. Und sie ist Wahrheit.
Ich weiss, das Wort ist verbraucht und wird heute meist in einem andern Zusammenhang benutzt. Ich meine mit dem Wort Liebe das, was wahr ist. Es ist für mich manchmal sehr schwer, aus der Verkettung von Kleinigkeiten auszubrechen und versuchen, einen Wegweiser zu finden. Und wenn jemand in der Nähe ist, den oder die ich mag, kann ich mich festhalten. Nicht an der Person, sondern an dem, was mich mit ihr verbindet. Und noch viel schwieriger ist es, jemandem zu helfen, auszubrechen, sich zu erinnern an das, was wahr ist. Mehr als Dasein kann ich nicht tun. Warten und nicht aufgeben, nicht vergessen, was sich sich dahinter verbirgt.
Angriffe sind niemals wahr. Sie sind zwar Wirklichkeit, aber eben bloss eine Wirkung. Aber es ist im Zeitpunkt des Angriffes, ob ich ihn nun ausführe oder ob ich das Ziel darstelle, spielt keine Rolle, sehr schwer, auszubrechen. Mein Ego ist getroffen und setzt sich zur Wehr. Dabei nimmt es alle Ressourcen in Anspruch, wie es das seit je her tut. Machnmal hilft mir ein kleiner Trost, wenn ich von Menschen, die mir nahestehen, angegriffen werde: Es ist der ganze Mensch mit all seinen Facetten, Ecken und Kanten, mit all den ausgeprägten Eigenschaften und -heiten, der mit gegenüber steht. Im Moment bleibt mir keine andere Wahl, als diesen Menschen so anzunehmen, wie er ist. Oder ich weise ihn ab. Eine Lösung, die sich dazwischen befindet, führt zu grossen Problemen und verlangt schlussendlich ohnehin nach einer Eins oder Null. Einen Menschen so zu nehmen, wie er ist und sich dabei an das zu erinnern versuchen, was wie ein seichter Nebelzug aus dem Bewusstsein verschwindet und uns an die Wahrheit zu erinnern will, dürfte der beste Weg sein. Bloss ist das so verdammt schwierig! Wäre es das für mich nicht, dann wäre ich nicht hier in dieser dualen Welt.
Obschon die Wirklichkeit dazu verleiten mag, die Verantwortung loszulassen, denn sie ist ja nicht die Quelle selbst, sondern wirkt eben nur, stehen wir in der vollen Verantwortung für das, was wir tun und unterlassen. Und so wird sich auch der heute so populistische Individualismus irgend wann rächen. Wir entscheiden uns für nichts mehr, sondern vegetieren noch dahin, tun das, was im Moment Spass macht und haben verlernt, uns zu entscheiden. Die Familie ist nichts mehr wert, denn dafür muss man sich entscheiden und ein Leben lang mit ihr verbringen. Freunde sind out, denn sie binden. Stattdessen hat man lieber Bekannte, denn sie verlangen nichts, fordern keine Kontinuität, weil sie sie ja selbst nicht haben wollen. Aber irgendwann dürfen wir uns entscheiden. Spontan leben ist spannend, abwechslungsreich und für sich gesehen durchaus auch eine Entscheidung. Aber sie ist keine nachhaltige Lebensweise. Während dem Menschsein treffen wir so manche Entscheidung. Eine davon wird irgendwann und irgendwo richtig sein.
Schlagworte: Entscheidung • Liebe • Nähe • Sein • Dualität
7 sichtbare(r) Kommentar(e)
Kommentar von Schattenbewahrer vom 18.05.2009 um 08.58.50 Uhr
Selbst aus dem Schatten betrachtet ist die Wahrheit subjektiv wie alles in der Welt die erst durch Beobachtung entsteht. Dennoch mag ich die Kontinuität von Freunden und Familie, auch wenn das manchmal schmerzt...
Kommentar von doris bluetime vom 18.05.2009 um 13.36.02 Uhr
Schmerz ist Leben Herr Schattenmann! Und sonst: Ich wünsche mir dass Du Dich irgendwann einmal wieder für ein Abendessen mit mir entscheidest Roman :-)) (ich weiss dass ich en Schtürmi bin)
Kommentar von Schattenbewahrer vom 18.05.2009 um 14.15.51 Uhr
moskito ergo summ
Kommentar von Gust vom 18.05.2009 um 23.59.29 Uhr
Wahrhaftig das ist wahr, was du geschrieben hast, nicht wahr! Einigen Überlegungen kann ich nicht recht folgen. Nach nochmaligem Lesen fällt der Zwanzger dann vielleicht runter. Das geht mir oft so, vor allem bei so schweren Texten. Kürzlich habe ich mit jemandem telefoniert. Wir haben dabei recht intensiv über dieses Thema diskutiert. Aus diesem Grund finde ich deinen Beitrag sehr unteressant. Herzlich Gust
Kommentar von vom 19.06.2009 um 12.18.56 Uhr
... tut gut dein text! schön, dass das auch andere so sehen.
Kommentar von Daniela Wagner vom 12.10.2009 um 15.41.36 Uhr
Ein wirklich gelungerer und wahrhaftig wahrer Text! LG Daniela
Kommentar von Base Base vom 14.10.2009 um 20.55.04 Uhr
Wow, bin echt Baff.. Schöner Text!
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