Erstellt von Yoda am 03.03.2009 um 23:40 Uhr in der Kategorie Innere Welt
10 sichtbare(r) Kommentar(e) Dieser Beitrag wurde bisher 3937 Mal gelesen.
Ich habe mich völlig verausgabt. Nicht finanziell, das ginge ja noch, zumal das aktuell alle tun, sogar die Banken. Nein, ich meine mental, geistig und damit auch körperlich. Das habe ich alleine entschieden, äussere Faktoren sind zwar da, aber die gelten nicht als Schranken. Die hätte ich umgehen oder aushebeln können. Das Ego hat die Oberhand gewonnen und ich liess zu, dass es entschied, was essentiell und was unwichtig ist.
Aufgrund der personellen Konstellation im Geschäft erachtete ich es als unmöglich, dass ich ausfallen durfte. Ich erlaubte mir keine Pause und zwang mich, während vielen Tagen zu 18 und mehr Stunden da zu sein. Ohne mich hätten wir unsere Herausforderungen nicht gelöst. Das ist natürlich fertiger Blödsinn. Die Welt schiesst nicht in den Abgrund, wenn ich ausfalle. Und wenn sie es trotzdem tut, sicherlich nicht deswegen.
Fast automatisch habe ich funktioniert. Als wahrer Soldat und treuer Arbeitnehmer, der sich in Wirklichkeit bloss Anerkennung erkaufen wollte, trotzte ich der Müdigkeit und schleppte mich Tag für Tag, mit oder ohne Fieber, in das Geschäft und schlug mich tapfer und getreu an der IT-Front. Zwar spürte ich, dass ich immer weniger Freude entwickeln konnte, während der spärlichen Freizeit bloss noch schlafen wollte und keine Kraft aufbringen konnte, meine Kontakte zu pflegen und meinen Hobbys nachzugehen. Während vielen Wochen liess ich jene Verrichtungen, die mit wichtig sind und die Menschen, die mir etwas bedeuten, links liegen. Denn schliesslich bin ich pflichtbewusst und kriegserprobt.
Aber ich erkannte nicht, dass ich immer leerer wurde und aus eigenem Antrieb heraus keine Kraft mehr entwickeln konnte. Die Arbeiten im Geschäft erledigte ich gleich einem Roboter, ohne Emotionen und durch die Motivation getrieben, zu den Besten zu gehören.
In Wirklichkeit gehöre ich zu den Schlechtesten. Denn die Achtung vor mir selbst ging unter und damit auch der Respekt vor den Menschen rund um mich herum. Und weil die Spirale sich weiter dreht, schwindet mit der Zeit auch die Verantwortung dafür, was ich nicht getan habe. Emotions- und lustlos zu sein ist nicht erstrebenswert. Zum Glück gedieh der Teufelskreis nicht so prächtig, so dass ich mich mit meinen Freunden daraus befreien konnte.
Die Genesung braucht Zeit, sie kommt nur schleppend voran und die Müdigkeit schwindet nur sehr langsam. Erschöpft bin ich, schlaff und ohne Antrieb, etwas zu tun. Doch die Musse und die Lust am Wirken meldet sich und sie kommt zurück. Noch einmal schaffe ich das vielleicht nicht. Deswegen will ich sie pflegen, die Freude am Tun in der Freizeit, die Freunde und all die Menschen, denen ich begegne. Die Netzwerke sind wichtig und essentiell. Die Menschen rund um mich bedürfen nicht meinem Ego, sondern sie mögen wohl den ganzen Menschen, der intakt ist und aus eigenem Antrieb Freude an den Freunden entwickeln kann. Es lohnt sich nicht, sich für ein Hirngespinst zu verausgaben. Aber es lohnt sich, zurückzukehren zu den wirklich wichtigen Dingen im Leben: Zu dem Menschen, die einem nahe stehen.
Schlagworte: Leere • Kraft • Lernen • Sein • Gemeinschaft
10 sichtbare(r) Kommentar(e)
Kommentar von Ute vom 04.03.2009 um 11.10.03 Uhr
Mit soviel Selbsterkenntnis bist du schon vielen voraus. Ich denke, so genau wie du es jetzt analysieren konntest hast du schon einiges dafür getan, dass es nicht nochmal so passiert. Wünsch dir weiter ein gutes Zurückkommen in all das was dir wichtig ist.
Kommentar von Christin vom 04.03.2009 um 13.03.39 Uhr
Mensch, Roman, was machst Du denn für Sachen?! Ich hoffe, Du kommst bald wieder auf die Beine! Wie wäre es mit einer Wochenend-Kur im Schwarzwald? Ihr seid immer herzlich willkommen.
Kommentar von Dirk Deimeke vom 04.03.2009 um 15.10.08 Uhr
Hi Roman, mach Dir nicht so viele Vorwürfe! Die Arbeitsbelastung ändert sich in Wellen ... Auf Wellenberge folgen auch wieder Wellentäler. Vielleicht ist es nachdenkenswert, statt 18 Stunden am Stück, einen Tag am Wochenende einzuschieben. So behältst Du die Kraft, unter der Woche Deine Familie noch wahrzunehmen. Willkommen zurück!
Kommentar von doris bluetime vom 04.03.2009 um 18.13.09 Uhr
all diese gedanken,all dieses wissen,all diese ängste und hoffnungen durchlebte ich vor 3 jahren! ich wünsche dir dass du nicht 3 jahre brauchst um dich zu regenerieren....! step by step....und immer auf den körper hören gäll (und in ausnahmefällen auf frauen mit erfahrungswerten....smile)
Kommentar von Schattenbewahrer vom 04.03.2009 um 23.20.13 Uhr
Leg' Dich etwas ind en Schatten um auszuruhen und geniess bald die Strahlen der Sonne mit Frau und Kind. Lass Deine Haut wieder Vitamin D produzieren. Wahre Freunde gehen nie weg, sie warten meist etwas weiter vorne oder im Schatten neben Dir.
Kommentar von doris bluetime vom 05.03.2009 um 07.11.49 Uhr
du schattenbewahrer...das mit dem warten im schatten find ich ganz schön! und ich mag es roman gönnen dass er dich als freund nennen darf :-)
Kommentar von ZED vom 06.03.2009 um 09.14.40 Uhr
YO-da ich schick Dir ein paar gute Gedanken und hoffe, dass Du mit Familie und Freunden genug Energie bekommst Deine Akkus wieder aufzuladen und ... äs het no moscht im Chäller!
Kommentar von Roger vom 06.03.2009 um 20.22.55 Uhr
der anfang ist gemacht. tolle ehrlichkeit zu dir selber, die ist wichtig. für mich war vor drei jahren am schwierigsten, dass ich den bezug zu mir selbst und meiner befindlichkeit so stark verloren hatte. dass ich mir die ganze zeit einredete, mich ja so gut zu kennen und alles im griff zu haben. und trotzdem bin ich heute dankbar dafür. ich wäre nicht derjenige der ich heute bin, wenn ich diese krise nicht hätte erfahren dürfen/müssen. und das ist gut so. ich wünsche dir die ruhe und musse, dass du dich wieder entdecken darfst, verständnisvolle menschen, die zu dir stehen und dass es dir bald wieder gut geht
Kommentar von Urs Hanhart vom 08.03.2009 um 19.05.45 Uhr
Schön das du zurück auf dem Weg ins Leben bist, wir sind für dich da, wann immer du uns brauchst. lg Urs
Kommentar von vom 19.06.2009 um 12.08.53 Uhr
hallo bin - via blogbibliothek - hier gelandet. danke für diesen text! mutig und ehrlich zu sein, ist zwar total unkuhl, doch umso gesünder! ich hoffe, du bist inzwischen wieder fitter?
Die fett markierten Felder bitte ausfüllen, danke!
Start
Impressum
TechLog
ubuntublog.ch
RSS-Feed (Beiträge)
Beiträge per Mail zustellen
Eine gute Auslegung hast du hier verfasst Roman. Wahrheit nehm...
Hallo Beat
Nach Deiner Beschreibung braucht es die Rückf...
Lieber Roman
Wieder ein Beispiel für Deine Fäh...
Ich bin überrascht von der Vielfältigkeit der Gedank...
Aus meiner Sicht hast du es sehr gut gemacht, es Ruben zu erkl...
Die Plage fängt schon bei der Anmeldung an - wollte im Ju...